Frühjahrszeit - Allergiezeit

19.04.2022

Das Frühjahr ist Pollenflug- und Allergiezeit. Pollenallergiker spüren es sofort: Trägt der Wind den Blütenstaub von Gräsern, Bäumen und Getreidesorten durch die Luft, läuft die Nase und die Augen jucken höllisch. Aber auch untypische Symptome, wie Hustenreiz, Ekzeme, Magen-Darm-Probleme oder gehäufte Infekte können Folgen einer Allergie sein.

Allergien, jeglicher Art, sind weitverbreitet mit zunehmender Tendenz. Die häufigste Form der Allergie ist der Heuschnupfen, von dem 20 Prozent der Pollenallergiker betroffen sind. Insgesamt reagieren, laut Statistik, über 50 Prozent der Pollenallergiker auch auf Nahrungsmittel allergisch.

 

Allergieauslöser

Es gibt verschiedene Theorien über die Entstehung von Allergien, aber keine vollständig gesicherten Erkenntnisse. Die meisten Allergien beruhen auf einer Kombination verschiedener Ursachen. Laut Experten sind, neben der genetischen Veranlagung, vor allem folgende Ursachen verantwortlich: verändertes Ernährungsverhalten, die extreme Umweltbelastung und schlecht belüftete Räume.

In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte z.B. nachgewiesen werden, dass Pollen, welche von Bäumen stammen, die am Straßenrand stehen und großer Luftverschmutzung ausgesetzt sind, in der Zusammensetzung ihrer Allergene aggressiver sind als die Pollen von Bäumen abseits von Autoabgasen und Industrie. Es gibt jedoch immer weniger naturbelassene Lebensräume; viele Menschen leben heute in Ballungsgebieten und sind ständig Belastungen ausgesetzt, welche das Immunsystem belasten und Allergien fördern.

Darüber hinaus wird das Immunsystem zusätzlich überfordert durch die heutige Ernährungsweise. In der Ernährung werden verstärkt Fertigprodukte eingesetzt, die jedoch oftmals reich an Zusatzstoffen, wie Konservierungsmitteln, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern uvm., sind. Diese sind für den Stoffwechsel auf Dauer eine Herausforderung und schwächen zudem das Immunsystem, da sie den Darm angreifen, der nun mal 70% der Immunzellen beherbergt.

Gleichzeitig sehen die Wissenschaftler in einer übertriebenen Reinlichkeit, wie wir sie in der heutigen Zeit verstärkt an den Tag legen, einen weiteren Grund, für das vermehrte Auftreten von Allergien. Dadurch wird das Immunsystem ebenso immer schwächer, da es nicht trainiert und gefordert wird. Das Immunsystem kann sich an den Mikroben üben und lernt zu unterscheiden, welche Stoffe tatsächlich zu bekämpfen sind und welche toleriert werden können. Je vielfältiger das „Angebot“ an Umweltmikroorganismen ist, umso mehr Herausforderungen und Übungsmaterial bekommen die Abwehrzellen. Die so verpönten Umweltkeime sind also eigentlich Gesundheitswächter. Man kennt das Phänomen von Kindern, die auf dem Land oder sogar auf einem Bauernhof aufwachsen. Beim Spielen kommen sie mit mehr Schmutz in Berührung als Stadtkinder. Im Erwachsenenalter weisen sie, nach Untersuchungen, weit weniger häufig Allergien auf, als die Kinder, die in der Stadt groß geworden sind.

 

Allergie oder Intoleranz

Allergien werden medizinisch klar von Lebensmittelintoleranzen, wie Laktose-, Fruktose- oder Histaminintoleranz abgegrenzt. Die Symptome ähneln sich zwar, aber die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich bei den Erkrankungen deutlich.

Es gibt 4 Typen von überschießenden Immunreaktionen. Am häufigsten ist bei Lebensmitteln die IgE-vermittelte Typ-I- oder Sofortreaktion.

Im Falle einer Allergie reagiert das Immunsystem auf die eigentlich harmlosen Proteine mit der Bildung von IgE-Antikörpern. Diese entzündliche Immunantwort ist ähnlich, als gelte es, Viren oder Bakterien unschädlich zu machen. Erst wenn sie sich durch Krankheitssymptome bemerkbar macht, spricht man von einer Allergie. Zu allergischen Beschwerden kommt es meist nicht sofort beim ersten Kontakt mit dem Allergen, sondern erst nach einem wiederholten Kontakt. Dabei platzen die Mastzellen, die vor allem im stark durchbluteten Gewebe sitzen und setzen Entzündungsmediatoren, wie Histamin, frei. Als Folge treten typische Symptome, wie Entzündungen oder Juckreiz, aber auch tränende Augen, allergisches Asthma, bis hin zu einem anaphylaktischen Schock, auf.

 

Kreuzallergien

Etwa 40 bis 50 Prozent aller Betroffenen mit Birkenpollenallergie reagieren z.B. auch auf Apfel, Birne, Kirsche (Rosaceae), Sellerie (Apiaceae), Kartoffel, Tomate (Betulaceae) und exotische Früchte mit allergischen Symptomen. Verantwortlich hierfür sind Eiweiß-Molekülstrukturen (Epitope) eines Antigens, die eine spezifische Immunantwort auslösen können. In den letzten Jahren konnten durch neue molekularbiologische Methoden wesentliche Erkenntnisse über diese Molekülstrukturen gewonnen werden.

Einige der allergieauslösenden Proteine sind hitzeempfindlich, d.h. bei Temperaturen über 60°C wird die Proteinstruktur so zerstört, dass sie als nicht mehr allergen erkannt wird. Dies ist beispielsweise der Fall beim Apfelprotein: Während rohe Äpfel beim Pollenallergiker Beschwerden auslösen können, werden gekochte Äpfel häufig gut vertragen. Aber es gibt auch hitzestabile Proteine, wie z.B. Sellerie-Allergene, d.h. auch ein gekochter Sellerie kann Betroffenen Allergikern Probleme bereiten.

Unter den zahlreichen Proteinen, die wir täglich zu uns nehmen, sind vergleichsweise wenige, die auch das Potenzial besitzen, allergische Beschwerden hervorzurufen. Wie allergen ein Protein tatsächlich ist, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, z.B. die Löslichkeit, den Gehalt im Lebensmittel oder den Verarbeitungsgrad.

 

Lebensmittelallergien und Medikamente

Bei der Verdauung von Proteinen spielt vor allem der pH-Wert des Magens eine wichtige Rolle. In In-Vitro-Verdauungsversuchen konnte deutlich gezeigt werden, dass beispielsweise Milch- und Fischproteine bei einem pH-Wert von 2 ihr allergenes Potenzial schon nach kurzer Zeit verlieren. Erhöht man jedoch den pH-Wert auf 3 bis 5, bleiben die Proteine wesentlich länger unverdaut und behalten ihr allergenes Potenzial. Interessant sind diese Versuchsergebnisse insbesondere für Personen, die häufig Antazida einnehmen, denn Antazida neutralisieren die Magensäuren und der pH-Wert des Magens kann sich verändern. Auch bei Patienten, die wegen Gastritis oder Magengeschwüren über drei Monate mit H2-Blockern und Protonenpumpen-Inhibitoren behandelt wurden, konnte man feststellen, dass sich IgE-Antikörper gegen Lebensmittel wie Erdnuss, Walnuss, Kartoffel, Karotte oder Sellerie entwickelten.

 

Allergenes Potenzial reduzieren

Das allergene Potenzial von Lebensmitteln kann z.B. bereits durch Waschen, Schälen oder Entfernen bestimmter Bestandteile reduziert werden. Aber auch durch Erhitzen oder Fermentieren lassen sich Allergene reduzieren. Allerdings gilt dies nicht für alle Lebensmittel. So sind neben Sellerie u.a. auch Mangos, Erdnüsse oder auch neuere Apfelsorten resistent gegenüber diesen Maßnahmen.

Problematisch sind vor allem auch „versteckte Allergene“, die häufig in verarbeiteten Lebensmitteln bewusst oder unbewusst beigemischt sind. Sicherlich gibt es eine verpflichtende Allergen-Kennzeichnung für die Lebensmittel, die jedoch für Betroffene oftmals keine wirkliche Hilfe darstellt, da sich die Lebensmittelhersteller mit Sätzen wie „Kann Spuren von……..enthalten“  elegant aus der Verantwortung stehlen.

 

Metabolic Balance und der Umgang mit Allergien

Bei der Ernährung nach der Metabolic-Balance-Methode steht die Qualität der Lebensmittel seit jeher im Vordergrund. Ausschließlich frische, hochwertige Lebensmittel sind hier auf der Nahrungsliste zu finden – Fertigprodukte gilt es zu meiden. Metabolic Balance ist der Meinung, dass jeglicher Zusatz von Nahrungsmittelzusatzstoffen das sensible Gleichgewicht der inneren Körperchemie durcheinanderbringen kann, was die vielfältigsten Auswirkungen – von Gewichtszunahme bis hin zu einem erhöhten Risiko für Erkrankungen, die mit dem Hormon- und Immunsystem in Zusammenhang stehen – haben kann.

Des Weiteren verzichten wir bei Metabolic Balance in Plänen, bei denen eine Allergie als Krankheit angegeben ist, auf primäre Allergene, auch Hauptallergene genannt, wie Kuhmilch und Weizenprodukte. Kuhmilch enthält z.B. zwanzig Proteine, von denen fünf allergische Reaktionen auslösen können. Durch das Meiden der Hauptallergen-Träger wird manche sekundäre Allergie (z.B. Nuss-, Apfel-, Hausstauballergie uvm.) gelindert und kann sich im Laufe der Stoffwechselumstellung auch deutlich verbessern. Allgemeine Empfehlung, wie z.B. das Erhitzen von allergenauslösenden Lebensmitteln, fließen bei Metabolic Balance ebenso ein, wie die Vermeidung des Kumulationseffekts. D.h. Lebensmittelgruppen werden weitgehend nicht gemischt. Beispielsweise werden einzelne Obstsorten von Allergikern meist gut vertragen, aber mehrere Obstsorten, wie sie in einem Obstsalat gemischt sind, dagegen nicht!

Mit der Ernährung nach Metabolic Balance und das Ausbalancieren des Stoffwechsels kann des durchaus möglich sein, dass Medikamente reduziert werden können und dies kann sich auch vorteilhaft hinsichtlich bestehender Allergien auswirken.

Metabolic Balance - Silvia Bürkle

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